Sehr schöne trockene Rieslinge – und leicht!
bonvinitas Weinbewertung, 24.10.2016, Kategorie 1,trocken bis 12% Alkohol
https://bonvinitas.com/media/reviews/photos/thumbnail/780x560c/ef/9d/36/sehr-schoene-trockene-rieslinge-und-leicht-89-1479300791.jpgGut, schön und dabei leicht ist eine Kombination, die keine Sorte besser kann als Riesling. So wundert es nicht, dass unsere Prüfer Rieslinge unserer Kategorie 1 (trocken, bis 12 % Alkohol – grüne Punkte) mit bis zu 90 Punkten bewertet haben. Mir macht das große Freude, denn oft möchte man keinen schweren Wein trinken und dennoch genießen. Rieslinge bieten das, insbesondere wenn sie schon etwas gereift sind, und sich die typisch rassige Rieslingsäure mehr eingebunden hat, so wie bei diesen hier aus den Jahren 2012 und 2013. Denn auch leichtere Rieslinge entwickeln sich sehr gut empor, wenn sie das nötige Potenzial mitbringen. Was kann es für einen Rieslingfan Schöneres geben.
Mit 85 Punkten (ab 85 Punkten gelten Weine bei uns als sehr gut.) bewertet wurde der 2012 Jagdhaus Hubertus Riesling trocken aus der Lage Neuweierer Mauerberg vom Weingut Knapp in Baden-Baden, zu dem ich notiert habe: frischer, reifer Duft, schön rund, von Alter nichts zu spüren, mit Noten von Zitronensaft, Blütenhonig, Karamell; auf der Zunge ein leichter lebendiger Riesling mit dezenter, gut eingebundener Säure; temperamentvolles Finish sanft abgerundet durch die Reife; wie ein elegantes Reitpferd; passt gut zu Meeresfrüchten, Königsberger Klopsen oder Schweinbraten. Das Weingut Kanpp ist eng mit der außergewöhnlichen Persönlichkeit des Inhabers Heinz Knapp verbunden: Eigentlich Dipl. Ing. Architekt mit Studium bei Egon Eiermann und Tätigkeit in Stockholm wurde er Leiter der Gesamtplanung zur Entwicklung der neuen Universität auf dem Schnarrenberg in Tübingen. 1960 eröffnete er in Baden-Baden sein noch heute bestehendes Architekturbüro, das er 2000 in die Hände seines Sohnes Urban gab. 1987 übernahm er einen Hof mit 7 Hektar Reben in Lorgues in der südfranzösischen Provence, den er erfolgreich auf 22 Hektar ausgebaut hat. 2006 pflanzte er erste Pinot blanc Reben unterhalb des Jagdhauses, des ehemaligen „Pavillon de Chasse“ der Markgräfin Sibylla Augusta von 1716, im Westen der Stadt Baden-Baden. 2012 übernahm er im Rahmen der Neuordnung des städtischen Rebgeländes in Baden-Baden Weinberge am Silberbuckel/Eckberg und Schafberg, so versteht man, wie es zum Namen dieses Weins kam.
86 Punkte erzielte der 2013 Gosecker Dechantenberg Riesling trocken vom Weingut Kloster Pforta in Bad Kösen, Saale-Unstrut: reifer Duft nach Zitronat, Ananas, Williamsbirne; gut gereifter Körper mit Noten von Blütenhonig; gereiftes Finish. Ein Wein wie ein antiker Schreibsekretär für Liebhaber gereifterer Weine! Passt gut zu Räucheraal, Makrele, Bündnerfleisch oder zur Zigarre. Schon vor über 1.000 Jahren zur Zeit der Ottonen Kaiser blühte der Weinbau in der Region. Über die fast vollständige Vernichtung durch die Reblausmisere vor über 100 Jahren, Kriege und volkseigenem Weingut kam das ehemalige Kloster nach der Wende in den Besitz des Landes Sachsen-Anhalt. Heute erstrahlt es wieder mit knapp 50 Hektar als größtes an Saale und Unstrut. Neben naturnahem Weinbau klassischer Sorten wendet man sich auch wieder alten heimischen Reben zu wie blauer Silvaner und Elbling.
Ebenfalls 86 Punkte erzielte der 2012 Kleinkarlbacher Herrenberg Riesling trocken „Michael Acker“ vom Weingut Hammel in Kirchheim, Mittelhaardt-Deutsche Weinstraße, in der Pfalz: Sehr gut abgerundeter Duft mit Anklängen an Zitronat, Blütenhonig, ein Tupfer Anis; auf der Zunge ein runder, mundfüllender Wein mit ruhigem Finish, bei dem die Rieslingrasse nochmals durchblinkt; wie ein in Ruhe Pfeife rauchender Herr; passt gut zu kaltem Braten mit Sauce Mayonnaise, Kartoffelgratin oder paniertem Schnitzel. Das Weingut wird von den Brüdern Martin und Christoph Hammel betrieben. Christoph hat drei Jahre in Südafrika als Kellermeister gearbeitet. Die Familie Acker ist für den Außenbetrieb zuständig und seit Jahrzehnten mit der Familie Hammel verbunden. Das umfangreiche Sortiment beruht auf Besitzungen nicht nur in Kirchheim, sondern auch in Albsheim, Dirmstein, Kleinkarlbach und Bissersheim mit recht unterschiedlichen Böden und Terroirs, so dass man die Sorten optimal den Böden anpassen kann.
Mit 90 Punkten überzeugte der 2013 Riesling Reserve trocken vom Weingut Bimmerle in Renchen-Erlach, Baden: Ruhiger, reifer Duft mit Noten von Birnen und Quittenspeck; füllig-üppiger Körper mit Terroirsnoten und sich ankündigender Petrolnote; fest gebautes, üppiges Finish, das Kraft und Rasse vereint. Dies alles bei „lediglich“ 12 %! Ein Wein wie eine Dame der Gesellschaft! Durch die Kraft und Rasse gebe ich ihm gut 5 Jahre weiter aufbauende Zukunft. Schon heute schön zu Räucherschinken und Leberwurst, auf Badisch „Vesperplatte“, zu Schweinekotelett oder Gänsebraten. „Wein ist für mich Erfüllung, Leben, Leidenschaft, Mut, Faszination, Genuss und Liebe“, sagt Siegbert Bimmerle, Chef des Weinguts und Weinhauses Bimmerle im mittelbadischen Renchen-Erlach. In wenigen Jahren hat er es geschafft, sich zum anerkannten Faktor in Baden zu entwickeln. Auf über 90 Kilometer, von Baden-Baden bis Ettenheim, verteilen sich seine sowie die Weinberge der Winzer, mit denen er aufs engste zusammenarbeitet, aber nur mit solchen, die über die entsprechenden Terroirs verfügen. So sind Lagen, Böden, Terroirs und Rebsorten aufs Beste aufeinander abgestimmt, was unsere Prüfer sowie auch ich beim Nachverkosten dieses Rieslings bestätigt fanden.
Text: Dieter Simon, Chefredakteur und Herausgeber bonvinitas, Titelfoto bonvinitas, andere Fotos PR sofern nicht anders angegeben.
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