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Abruzzen – Neue Weine braucht das Land

Die Weinmacher der Region wollen dem Montepulciano auf die Sprünge helfen

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Bei der Verkostung „Anteprima Montepulciano d'Abruzzo“ Anfang Juni in Ortona präsentierten mehr als 30 Winzer der Abruzzen ihre aktuellen Weine.' Bei der Verkostung „Anteprima Montepulciano d'Abruzzo“ Anfang Juni in Ortona präsentierten mehr als 30 Winzer der Abruzzen ihre aktuellen Weine.

Bei der Verkostung "Anteprima Montepulciano d'Abruzzo" zeigten die Weinmacher aus der Region, dass sie mehr können als Massenwein – und das auch in Weiß.

Zwischen der Adria und dem Appenin-Gebirge erstrecken sich die Weinberge der Abruzzen.Zwischen dem Appenin-Gebirge und der Adria im südlichen Mittelitalien wächst die rote Sorte, mal auf kalkhaltigen, mal auf sandigen Böden. Kaum ein italienischer Wein ist in Deutschland so verbreitet wie der Montepulciano d'Abruzzo. In italienischen Restaurants und Pizzerien steht er oft als günstiger offener Wein auf der Karte. Das hat damit zu tun, dass er meist in großen Mengen – und ein einfacher Qualität – produziert wird.

Die Winzer der Region hadern mit dem Billig-Image ihres Hauptproduktes. Deshalb gingen sie in die Offensive und präsentierten im Juni auf der Expo in Mailand und kurz darauf in ihrer Heimatregion beim „Anteprima Montepulciano d'Abruzzo“ ihre Weine mit mehr Selbstbewusstsein. Ihre Botschaft: Der Montepulciano kann auch anders.

Überraschung: Er kann auch alterungsfähig sein

„Die Menschen hier mögen einen kräftigen, rustikalen Wein“. Francesco d'Onofrio leitet das Weingut Marchesi de' Cordano.„Die Menschen in den Abruzzen mögen einen kräftigen, rustikalen Wein“, erklärt Francesco d' Onofrio. Der 37-Jährige führt das Weingut Marchesi de' Cordano in der Provinz Pescara, sein jüngerer Bruder Romano ist Kellermeister. „Aromen von Kirsch und Vanille, kräftige Tannine, 14 Volumenprozent Alkohol – das ist ein echter Montepulciano d'Abruzzo“, schwärmt Francesco, während er seine Riserva „Trinità“ 2009 einschenkt. Die ist 12 Monate im Barrique gereift und wirkt für ihre sechs Jahre überraschend jung. An Alterungspotenzial ist also auch noch etwas zu erwarten.

Das ist beim Großteil des Montepulciano d'Abruzzo allerdings anders – vor allem bei jenem, der für die Auslandsmärkte bestimmt ist. Er wird oft als anonymer Massenwein hergestellt, der nur wenige Jahre haltbar ist. Die Oberhand in der Region haben große Genossenschaften, die von Klein- und Kleinstanbauern das Lesegut kaufen. Die Trauben werden in der Regel mit hohen Erträgen angebaut – ein Relikt aus den 1970er Jahren.

Nicht verwechseln mit Vino Nobile

Oft verwechselt wird Montepulciano d'Abruzzo mit dem Vino Nobile di Montepulciano. Dieser stammt aus dem gleichnamigen Ort in der Toskana – und wird aus den Rebsorten hergestellt, die auch für den Chianti verwendet werden, also überwiegend Sangiovese und unter anderem Canaiolo und Trebbiano.

Dazu kommt, dass der Montapulciano d'Abruzzo, obwohl DOC-Herkunft, nicht in der Ursprungsregion abgefüllt werden muss. Oft wird er als Fasswein an große Kellereien in Norditalien weiterverkauft, die ihn weiterverarbeiten, abfüllen und exportieren. „So verlieren wir die Kontrolle über unseren Wein“, meint Valentina di Camillo, die mit ihrem Bruder Luigi das Weingut „I Fauri“ in der Provinz Chieti führt. Die Tenuta hat eine Entwicklung durchgemacht wie viele Familienweingüter: Der Großvater war noch Fassweinlieferant, die Elterngeneration stellte auf auf Flaschenwein und damit auf Qualitätserzeugung um. Die Kinder, die beide Weinbau studiert haben, sind nun daran, die Qualität weiter auszubauen und die Vermarktung zu verbessern. Ihr Paradewein ist der Montepulciano d'Abruzzo „Ottobre Rosso“, der im Edelstahltank ausgebaut wird. Trotz 14 Volumenprozent wirkt er frisch, sein intensives Bouquet erinnert an rote Früchte und Sauerkirschen.  

Entdeckungen in Weiß: Pecorino und Coccociola

Die aktuelle Generation von Weinmachern bringt neuen Schwung: Luigi und Valentina di Camillo von der Tenuta I Fauri.Die meistverbreitete weiße Sorte in der Region ist der Trebbiano – doch auch er hat keinen besonders guten Ruf. Auch er wird hier, wie in vielen anderen italienischen Regionen, oft ertragreich geerntet und einfach ausgebaut, um ihn sehr günstig zu vermarkten. Dass dieses Image noch zu retten ist, glauben die Erzeuger nicht. Deshalb setzen sie seit einiger Zeit auf andere weiße Sorten, die in der Region heimisch sind und lange vernachlässigt wurden: Pecorino und Coccociola.

Ein Vorreiter bei der Renaissance des Coccociola ist das Weingut Valle Martello in der Provinz Chieti. „Der Coccociola ist sehr säurebetont, daran mussten wir drei Jahre lang arbeiten“, erinnert sich Katia Masci, die das Weingut mit ihren Brüdern betreibt. Ihr Coccociola „Brado“ hat noch immer eine recht prägnante Säure, schmeckt zitrus-frisch, die Fruchtaromen sind sehr dezent. „Der richtige Begleiter für Fischgerichte“, meint Katia Masci. 

Stärker jedoch glauben die Winzer aber an den zugänglicheren Pecorino, der auch in Marken, Latium und Umbrien heimisch ist. Dass der Wein wie der bekannte Schafskäse heißt, liegt vermutlich daran, dass er einst an den Auf- und Abtriebspfaden der Schäfer am Appenin-Gebirge gepflanzt wurde. „Er hat weniger Säure, doch trotzdem eine gute Struktur“, meint Francesco d' Onofrio. Sein Pecorino „Diamine“ gibt florale und gelbfruchtige Aromen am Gaumen wieder. Andere typische Aromen für die Rebsorte können Apfel, Südfrüchte und Anklänge von Honig sein, wie beim „Pecorino dei Fauri“ der Familie Di Camillo.

Dranbleiben – Hinschmecken

Die Mehrheit der Abruzzen-Weine sind zwar noch immer Massenware. Doch die aktuelle Generation der Qualitäts-Winzer hat verstanden, dass sie ihre Anstrengungen publik machen müssen, etwa mit mehr Verkostungen und Werbung für die Abruzzen als Urlaubsregion mit Weintourismus-Angeboten. Denn so viel ist klar: Dem bisherigen Image ist nur mit direkten Gegenteil-Beweisen beizukommen.

Alle teilnehmenden Weingüter an der Anteprima Montepulciano d'Abruzzo 2015 sind hier zu finden.

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Fotos: Alice Gundlach / Foto 4: Tenuta I Fauri


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